Reifen wechseln – Aber richtig

Sehr oft hören wir folgenden Satz: „Nein, nein, danke das ist nett, aber das Umstecken schaff ich gerade noch selbst. Das Geld spar ich mir lieber!“

Räderwechsel ist bei heutigen modernen Fahrzeugen nicht mehr ganz so einfach. Hier 10 wichtige Punkte, die dabei unbedingt beachtet werden müssen.

1. Rad-Diebstahl-Sicherungs-Schrauben

Viele Fahrzeuge sind mit Diebstahl-Sicherungs-Schrauben ausgerüstet. Diese Diebstahl-sicherungs-schrauben unterliegen einem gewissen Verschleiß je älter Sie werden und lassen sich, wenn man nicht vorsichtig damit umgeht irgendwann nicht mehr lösen. Die spezielle einzigartige Nuss greift nicht mehr und die Radschraube steckt fest und muss sodann ausgebohrt werden und durch eine neue Radschraube ersetzt werden. Wir empfehlen diese überhaupt nach 3-4 Jahren, wenn auf der Schraube schon ein gewisser Verschleiß erkennbar ist, zu ersetzen.

2. Bolzen lassen sich nicht lösen

Mit einem normalen Radschlüssel kann es mitunter vorkommen, dass man manche Radschrauben nicht lösen kann. Oft helfen ein paar Schläge mit dem Hammer auf die Schraube, doch oft auch nicht. Mit dem Druckluft-Schrauber ist das natürlich kein Problem.

3. Abschleifen Radnabe

Die sich im Laufe der Zeit bildende Metallkorrosion (Rost) auf der Radnabe kann fatale Auswirkungen haben. In Extremfällen kann es unter gewissen Umständen passieren, dass sich dadurch ein Rad von der Nabe lösen kann. Um dem vorzubeugen ist es notwendig den gebildeten Flugrost auf der Radnabe sorgfältig mit einer Drahtbürste zu entfernen und die Radnabe mit einem Zinkspray vor weiterer Korrosion zu schützen.

4. Einölen Gewinde und Radbolzen

Vielleicht haben Sie es schon mal selbst erlebt und einen Radbolzen „schief anbeißen lassen“. Dabei ist gemeint, dass sich das Gewinde des Radbolzen beim ersten Eindrehen leicht verkantet und man falls man die Radschraube nun weiterdreht die Gewindebohrung in der Radnabe zerstört. Kommt tatsächlich oft vor. Abhilfe ist in diesem Fall ein Neuschneiden oder Nachschneiden der Gewindebohrung. Um die Gewinde an Schraube und Bohrung zu schonen und ein solches Verkanten weitgehendst zu vermeiden empfiehlt es sich Gewinde und Bohrung bei jedem Räderwechsel mit ein paar Tropfen Öl zu versehen.

5. Richtiges Anzugsdrehmoment

Auch beim Wiederanziehen der Schrauben kommt es oft vor, dass Schrauben durch zu festes Anziehen abgerissen werden. Es gibt für alle Fahrzeugtypen ein genau festgelegtes Anzugsdrehmoment der Radschrauben. Dieses Anzugsdrehmoment liegt bei PKW in der Regel etwa zwischen 90 – 140 Nm. Nur mit einem geeigneten Werkzeug kann man sicher gehen, dass dieses Anzugsdrehmoment korrekt eingehalten wird.

6. Reifendruckkontrollsensoren

Bei Fahrzeugen ab Erstzulassung 10/2014 ist es zwingend erforderlich, bei vielen Fahrzeugen davor ebenfalls der Fall: Das Fahrzeug ist mit einem Reifendruckkontrollsystem ausgerüstet. Das bedeutet, es muss je nach Funktionsweise des Reifendruckkontrollsystems für das jeweilige Fahrzeugmodell nun eine Handlung erfolgen. Es werden grundsätzlich zwei verschiedene Systeme unterschieden:

6.a. direktes Reifendruckkontrollsystem
6.b. indirekte Reifendruckontrollsystem

6.a. Beim direkten System ist jedes Rad mit einem Reifendrucksensor ausgerüstet. Der Reifendrucksensor gibt ein Signal an das Fahrzeug bei Über- oder Unterschreiten eines bestimmten Reifendruckes. Dieser Reifendrucksensor muss bei der erstmaligen Montage mit dem Fahrzeug gepaart werden. Dies funktioniert ausschließlich über ein Diagnosegerät. Bei jeder weiteren Montage muss das Reifendruckkontollsystem nach dem Räderwechsel im Fahrzeug initialisiert werden. In den meisten Fahrzeugen gibt es dafür einen eigenen Knopf der beim ersten Start nach dem Räderwechsel zu drücken ist. Außerdem ist regelmäßig die Batterie des Reifendrucksensors an jedem Rad zu kontrollieren. In der Regel sollten die Batterien für etwa 5-7 Jahre genügend Strom liefern.

6.b. Beim direkten Reifendruckkontrollsystem wird ein zu hoher oder niedriger Reifendruck über die Raddrehzahl gemessen. Stellen Sie sich vor, sie fahren gerade aus. Bei Geradeausfahrt müsste sich jedes Rad gleich schnell drehen. Ist der Luftdruck in einem Rad zu gering, dann dreht sich dieses eine Rad schneller als die anderen drei, da die Lauffläche sinkt (sprich der Radumfang kleiner wird). Diesen Drehzahlunterschied erkennt der Sensor, der auch für das ABS (Antiblockiersystem) der Bremsen zuständig ist und gibt eine Meldung an das Motorsteuergerät weiter. Auch bei diesem System ist ein Initialisierung notwendig und kann sogar eine Umprogrammierung notwendig sein, wenn die Raddimension der Sommer- und Winterräder unterschiedlich ist (z. B. im Sommer 18″ und im Winter 16″)

7. Luftdruck

Natürlich muss der Luftdruck auch kontrolliert und nach den Angaben für das jeweilige Modell gefüllt werden. Beim indirekten System wäre es zum Beispiel heimtückisch, hätte alle vier Räder bei der Montage auf das Auto einen zu geringen Luftdruck. Zum Beispiel alle vier Räder 1.8 bar anstatt 2.2 bar. Dann würde das indirekte System keine Fehlermeldung liefern, da ja die Raddrehzahl bei Geradeausfahrt bei allen vier Rädern trotzdem gleich wäre.

8. Beschädigungen

Natürlich sollte das Rad nun vor Einlagerung auf Beschädigungen sowie auf Risse kontrolliert werden. Kleine Beschädigungen durch Randsteine oder aber auch eingefahrene Nägel können lebensgefährlich sein. Daher ist hier höchste Vorsicht gegeben. Kontrollieren Sie die Reifen immer gleich nach dem Abmontieren vom Fahrzeug, so haben Sie bis zur nächsten Saison Zeit neue Reifen zu besorgen und unterliegen dann keinem Zeitstress wenn Sie im Frühjahr oder Herbst schnell noch Reifen brauchen wo alle andere auch Reifen benötigen und die Lieferzeiten lange sind.

9. Profiltiefe

Ebenso wie bei 8.) ist es ratsam die Profiltiefe zu messen um abschätzen zu können ob die Reifen noch für die nächste Saison halten. Die Mindestprofiltiefe für Sommerreifen in Österreich beträgt 1,60 mm und für Winterreifen 4,00 mm. Wobei diese Profiltiefe über mindestens 75% der Reifenbreite zu erfüllen ist. Betrachten Sie aber diese Mindestprofiltiefe als gesetzliches Mindestprofil. Bei Sommerreifen bedeuten 2,00mm Profiltiefe ein deutlich erhöhtes Aquaplaning-Risiko im Vergleich zu neuen Reifen. Ebenso ist der Halt auf Schnee bei Winterreifen mit 4,00 mm Profil nicht mit dem Halt von neuen Reifen zu vergleichen.

10. Radzierkappen / Felgen

Oft erhalten wir auch Reklamationen, die Radzierkappen halten schlecht am Fahrzeug und werden oft verloren. Leider beruht dies fast ausschließlich auf falscher Montage. Die Zierkappen haben einen Ring der in der Felge mehr oder weniger Einzurasten ist. Geht man hier zu zaghaft oder zu forsch vor, hält die Zierkappe entweder nicht oder es brechen Klammern aus. Zu beachten ich auch die richtige Lage der Ausnehmung für das Radventil.

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