§57a „Pickerl“ Überprüfung – Was ist das eigentlich genau?

pickerl-plakette
Stapel §57a Prüfplaketten „Pickerl“

In Österreich kann ein KFZ-Betrieb ein Ansuchen an die jeweilige Landesregierung stellen, die wiederkehrende Begutachtung an Kraftfahrzeugen nach §57a des Kraftfahrgesetzes durchzuführen. Falls die Vorraussetzungen (Ausbildung des Personals, Werkstattausrüstung, ..) erfüllt werden, dann darf der KFZ-Betrieb nach sorgfältiger Überprüfung der Verkehrs-, Betriebs- und Umweltsicherheit eines KFZ eine Prüfplakette „Pickerl“ ausstellen. Um die Genehmigung zu erhalten müssen in regelmäßigen Abständen Kurse über die Neuerungen im Kraftfahrgesetz und die damit verbundenen technischen Auswirkungen besucht werden.

 Was wird am Fahrzeug überprüft?

– Beleuchtung (Funktion, Reflektoren, …)
– Fahrgestell und Karosserie (Beschädigungen, Korrosion, fehlende Teile, …)
– Bremsen (Wirksamkeit am Bremsenprüfstand, Siedepunkt Bremsflüssigkeit, …)
– Abgaswerte am Abgasmessgerät
– Reifen und Räder (richtige Dimension, Risse, Abnutzung, Verschleiß, …)
– Lenkung
– Federung
– Motor
– Ausrüstung
– Scheiben
– Übereinstimmung Fahrzeugpapiere mit dem Fahrzeug

Nach der Überprüfung wird ein detaillierter Prüfbericht mit allen erkannten und relevanten Mängeln vorgelegt. Ein leichter Kratzer in der Tür ist zum Beispiel kein relevanter Mangel im Zuge der Pickerlbegutachtung. Bei den Mängeln wird unterschieden:

leichter Mangel:
Ein die Verkehrs-, Betriebs- oder Umweltsicherheit nicht nennenswert beeinträchtigender Mangel. Ein positive Prüfplakette kann vergeben werden. Allerdings wird empfohlen den Mangel reparieren zu lassen, diesen aber zumindest im Auge zu behalten, da sich der Mangel in Zukunft verschlimmern könnte.
Beispiele: Korrosion am Fahrgestell, leicht trübe Scheinwerfer, Reifen abgefahren aber noch über dem gesetzlichen Mindestprofilstand, Steinschlag in der Windschutzscheibe aber außerhalb des Sichtfeldes, …

schwerer Mangel:
Ein die Verkehrs-, Betriebs- oder Umweltsicherheit beeinträchtigender Mangel, wodurch keine neue Prüfplakette vergeben werden kann. Die Überprüfung ist somit negativ ausgefallen.
Beispiele: Sprung im Sichtfeld der Windschutzscheibe, Spiel des Spurstangenkopfes, zu niedriger Siedepunkt der Bremsflüssigkeit, abgefahrene Reifen, Aufleuchten der ABS-Kontrollampe, Aufleuchten der Airbagkontrolllampe, …

Vorschriftsmangel:
Bauteile, Zubauten, Umbauten oder demontierte Teile entsprechen nicht der Betriebsgenehmigung des Fahrzeuges. Ist ein Vorschriftsmangel gegeben, wird kein positives Prüfgutachten ausgegeben. Der Fahrzeughalter wird darauf hingewiesen das Fahrzeug in vorschriftskonformen Zustand zu versetzen.
Beispiele: falsche Reifendimension, nicht genehmigter Anbau (z. B. Heckspoiler, Tieferlegung, etc.), uvm.

Gefahr in Verzug:
Ein die Verkehrs-, Betriebs- oder Umweltsicherheit unmittelbar sehr stark beeinträchtigender Mangel. Bei Gefahr in Verzug wird dem Fahrzeugbesitzer die Weiterfahrt verwehrt um mögliche Risiken für ihn, andere Verkehrsteilnehmer oder die Umwelt zu vermeiden.
Beispiele: zu geringe Bremswirkung, stark korrodierte Bremsleitungen, zu hohe Rauchentwicklung, …

Hinweis:
Ein Mangel an einem für die Verkehrs-, Betriebs- oder Umweltsicherheit nicht relevanten Bauteil. Beispiel: fehlerhalfte Lackierung an einem Bauteil, keine Funktion der Zentralverriegelung, ungleichmäßiger Verschleiß der Reifen, aber noch im Toleranzbereich, usw.

Mängelkatalog

Für die Unterscheidung dieser Mängel gibt es einen Mängelkatalog in dem ganz genau definiert wird, wie ein Mangel einzustufen ist. Dieser Mängelkatalog erscheint jedes Jahr neu, da es laufend technische Neuerungen gibt, die miteinbezogen gehören. Nun gibt es zwar auch einen Ermessensunterschied von Prüfer zu Prüfer, diesen wird es immer geben, durch den Mängelkatalog sollte dieser aber so minimal wie möglich sein. Besonders bei Mängel die keine Messung zulassen und objektiv bewertet werden müssen kann es mitunter manchmal zu unterschiedlichen Meinungen hinsichtlich der schwere eines Mangels kommen. Beispiel: Spiel an Lagern, Gelenken, Spurstangenköpfen usw. Der eine Prüfer mag das Spiel als zu hoch empfinden, der andere als zu gering.

Wann ist das Pickerl zu erneuern?

Ich gehe hier nur auf PKW ein. Das Überprüfungsintervall ist ganz genau gesetzlich festgelegt und richtet sich nach dem Erstzulassungsdatum des Fahrzeuges. Dieses Datum ist im Zulassungsschein ersichtlich (Achtung: nicht verwechseln mit Genehmigungsdatum). Die Überprüfung findet nun grundsätzlich jedes Jahr statt und kann frühestens am 1. des Monats dem Monat der Erstzulassung zuvor liegenden Monats gemacht werden. Hat Ihr Fahrzeug zum Biespiel Erstzulassung 14.07.2009, so kann das Pickerl frühestens am 01.06. gemacht werden. Die Überziehung eines Pickerls ist maximal bis zum Monatsletzten dem 4 Monate folgenden Monat der Erstzulassung zu machen. In unserem Beispiel also bis zum 30.11. In unserem Beispiel hat der Fahrzeughalter nun jedes Jahr einen Zeitraum von 01.06 – 30.11 in dem die jährliche Pickerlüberprüfung gemacht werden muss.

Ausnahme: die erste Überprüfung nach Erstzulassung erfolgt erst nach 3 Jahren, die zweite Überprüfung erst nach 5 Jahren. Erst dann ist die Überprüfung jährlich.

Beispiel: Erstzulassung 11.11.2014
1. Überprüfung im Zeitraum: 01.10.2017 – 31.03.2018
2. Überprüfung im Zeitraum: 01.10.2019 – 31.03.2020
3. Überprüfung im Zeitraum: 01.10.2020 – 31.03.2021
4. Überprüfung im Zeitraum: 01.10.2021 – 31.03.2022
usw.

Strafe bei überzogenem Pickerl

Bis zu 2.180 EUR kann in Österreich ein überzogenes Pickerl als Strafe kosten. Und zwar sowohl für Zulassungsbesitzer als auch für den Lenker. Denn der Lenker hat sich vor Fahrtantritt über die gültige Plakette zu vergewissern. Verursacht man außerdem mit dem Fahrzeug aufgrund eines Mangel, der bei rechtzeitiger Überprüfung hätte erkannt werden müssen, kann es sogar sein, dass der Versicherungsschutz seitens des Versicherers erlischt. Tipp: Notieren Sie sich im Kalender den Termin für Ihr Pickerl.

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