Tageszulassung – Was heißt das?

Im Moment ist es in der Fahrzeugbranche Mode Neuwagen als sogenannte „Tageszulassungen“ anzubieten. Manchmal wird auch der Begriff „Tagesmelder“ oder „Kurzzulassung“ verwendet. Diese Fahrzeuge unterscheiden sich zu einem Neuwagen in keinem Punkt, außer dass diese Fahrzeuge bereits eine behördliche Zulassung im Typenschein bzw. Zulassungsschein aufweisen. Damit verbunden läuft bei diesen Fahrzeugen die werksseitige Garantie bereits. Im Gegenzug dafür sind diese Fahrzeuge meist deutlich günstiger als ein vergleichbares Modell ohne Tageszulassung.

Warum ist das so? Warum wird eine Tageszulassung gemacht?

1. Grund – Statistikdruck

Jeder Hersteller egal ob Peugeot, Toyota, Volkswagen, BMW, etc ist bestrebt einen möglichst hohen Marktanteil zu haben. Der Marktanteil ist seitens der Automobilhersteller der wichtigste Gradmesser ihres Erfolges. Soweit ist es noch logisch. Aus mir jedoch unverständlichen Gründen sind die Beobachtungszeiträume viel zu kurz. So sind mittlerweile die Marktanteile im laufenden Monat relevant. Für die alles entscheidende Statistik zählt die erstmalige behördliche Zulassung eines Fahrzeuges. Egal ob diese Zulassung von einem Endkunden oder einem Händler selbst gemacht wurde. Ob der Wagen also schon verkauft ist, ist irrelevant, Hauptsache er befindet sich bereits in der Statistik. So kommt es Monat für Monat vor, dass der Hersteller seine Händler bittet, noch nicht verkaufte Fahrzeuge für den Hersteller anzumelden um einen besseren Marktanteil zu erreichen. Der Händler wird dem Hersteller den Wunsch nach dieser Zulassung logischerweise nur dann erfüllen, wenn der Hersteller dem Händler eine gewisse finanzielle Entschädigung dafür anbietet. Diese finanzielle Entschädigung macht das Fahrzeug dann für den Endkunden günstiger.

2. Grund – Zieldruck

Jeder Autohändler bekommt zu Jahresbeginn von seinem Hersteller ein individuelles Jahresziel. Dieses Jahresziel wird meistens aus einer Kombination von Parametern wie Verkäufe der letzten Jahre, durchschnittlicher Marktanteil, geplanter Marktanteil des Herstellers etc. seitens des Hersteller einseitig berechnet. Über den Berechnungsschlüssel gibt es alljährlich Streitigkeiten zwischen den Händlern und den Herstellern. Das Jahresziel wird dann heruntergebrochen auf Monats- und Quartalsziele. Der Einkaufspreis der Fahrzeuge richtet sich sodann nach der prozentuellen Zielerreichung. So kauft ein Händler die Fahrzeuge beim Hersteller billiger ein, wenn er in einem Monat 100% Zielerreichung hat, als wenn er nur 80% Zielerreichung hat. Da erst die Kundenauslieferung zählt, also wenn der Kunde das Fahrzeug anmeldet, ist es vom Händler nur sehr schwer zu kalkulieren wann welche Fahrzeuge geliefert werden und vom Kunden angemeldet werden. So kann es für den Händler manchmal Sinn machen am Monatsende noch „Tageszulassungen“ auf seinen Betrieb zu machen um eine bessere Zielerreichung zu erreichen und dadurch einen besseren Einkaufspreis für alle im Monat ausgelieferten Fahrzeuge zu erhalten.

3. Grund – Auslaufmodelle / Abverkaufsmodelle

Die allgemeine Kurzlebigkeit hat auch die Fahrzeugindustrie erreicht. Der Modelllebenszyklus sinkt und sinkt und die Anzahl der Veränderungen und Facelifts von Modellen steigt und steigt. Fast jedes Jahr ändern sich mehrere oder wenige Details an einzelnen Fahrzeugmodellen. Dadurch kursieren natürlich bei Händlern auch oft „alte“ Fahrzeuge. Oft nur mit minimalsten Unterschieden wie zum Beispiel: Reifendruckkontrollsensoren ja/nein, LED-Tagfahrlicht ja/nein, Navigationsupdate vom Vorjahr usw. Oft schreibt auch der Hersteller vor die „alten“ Modelle bis zu einer Dead-Line behördlich anzumelden, andernfalls Boni und Rabatte gestrichen werden. Dadurch werden für Tageszulassungen auch gerne solche Auslaufmodelle herangezogen.

4. Grund – Spekulation

Ist ein Modell mit einer bestimmten Ausstattung besonders begehrt, gerade sehr gut verfügbar und steht ein Modellwechsel an, dann kann ein Händler damit spekulieren, dass dieses Modell noch länger begehrt bleibt. Durch Kauf und Tageszulassung diese Modelle kann er sich diese sichern und einen guten Einkaufsrabatt erzielen, wenn eine große Menge vom Hersteller gekauft wird und dadurch eine hohe prozentuale Zielerreichung erreicht werden kann. Dadurch kann der Händler wiederum Sonderangebote für seine Kunden anbieten und die Fahrzeuge gut verkaufen.

5. Grund – gezielte Schaffung von Sonderangeboten

Der Hersteller möchte manchmal ganz kurzfristig auf gewisse Marktrends und Preisschwankungen reagieren. Um aber nicht jedes Mal die Preise senken oder verändern zu müssen, bedient sich der Hersteller der Tageszulassung. Er ermöglicht seinen Händlern bei gewissen Modellen Tageszulassungen zu machen. Dafür erhalten die Händler Prämien, welche es dem Händler wiederum erlaubt die Fahrzeuge günstiger als ein vergleichbares Neufahrzeug anzubieten.

Zusammenfassung:

Tageszulassungen sind Trenderscheinungen der sehr schnelllebigen Wirtschaft. Die Profiteure von Tageszulassungen sind eindeutig die Kunden die von Überproduktionen, hohem Wettbewerb und Stückzahlendruck in der KFZ-Branche Fahrzeuge zu günstigen Preisen erwerben können. Die Individualität von Fahrzeugkonfigurationen geht dadurch zwar verloren, weil es meist nur „Serienausstattungen“ sind, die als Tageszulassungen verfügbar sind. Dafür sind diese Fahrzeug meist deutlich günstiger als die individuelle Bestellung.

Ein Gedanke zu „Tageszulassung – Was heißt das?

  1. Nick

    Sehr gut erklärt. Wer einfach nur ein Auto sucht und auf unnötigen Zusatz-Schnickschnack verzichten kann, hat die Möglichkeit, mit einer Tageszulassung gut Geld zu sparen.

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